Dusel, Dusl

Mein Opa und das Dusel seines Lebens

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Gedenktafel

Uns Bayern wird ja sehr gerne nachgesagt, dass wir oft Dusel haben. Ich habe deshalb auch lange Zeit gedacht, dass Dusel ein rein bairischer Ausdruck ist! Bis ich dann im Internet recherchierte und die Info fand, dass das Wort ursprünglich aus dem Niederdeutschen stammt, also gar nicht bairisch ist! Aber man sieht mit welcher Selbstverständlichkeit wir dieses Wort gepachtet haben! Dusel bezeichnet Glück, welches so fern von jeder Vorstellungskraft ist, dass manche es schon als unverschämt empfinden! Ein Mann der das erste Mal in seinem Leben Lotto spielt und gleich einen Sechser bekommt, das ist Dusel. Deshalb wird der Begriff oft im Zusammenhang mit unverdientem Glück gebraucht, zum Beispiel wenn der FC Bayern München, nach einer durchschnittlichen Leistung, dann doch noch in der Schlussminute siegt, obwohl ein Unentschieden gerechter gewesen wäre. Dann schimpft der gegnerische Fußballfan gerne mal über das berühmt berüchtigte Bayern-Dusel! Mein Opa hatte einmal im Jahre 1960 das Dusel seines Lebens! Er war zu jener Zeit als Beamter bei der deutschen Post angestellt. Und wie das Beamtenleben nun mal so ist, gibt es da keine Überstunden oder nervige Chefs die kurz vor Schluss noch dieses oder jenes brauchen! Mein Opa kam also IMMER auf die Minute pünktlich aus der Arbeit und das schon seit 5 Jahren, denn solange arbeitete er schon bei der Post. Demzufolge nahm er immer die gleiche Trambahn um zu seiner Frau und den beiden Kindern nach Hause zu fahren. Doch eines Tages verpasste er die Trambahn um wenige Sekunden! Er lief der Tram sogar noch nach und versuchte, so wie es damals üblich war, seitlich auf das Trittbrett zu springen! Mein Opa wollte unbedingt so schnell wie möglich nach Hause zu seiner Familie und er war sehr ärgerlich, dass er es nicht mehr geschafft hatte. Das war das Dusel seines Lebens!! Das wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht! Wenige Minuten später ist ein zweimotoriges Flugzeug der US Air Force in der Münchner Innenstadt abgestürzt. Es hatte die Spitze des Hauptturms der Paulskirche gestriffen und fiel genau auf diese Trambahn! Es gab keine Überlebenden! Mein Opa hätte seine Familie nie wieder gesehen. Auch Jahre danach konnte er sich nicht erklären, was an jenem Tag anders war. Warum er gerade dieses eine Mal, in all den Jahren, die Tram verpasst hat! War es nun Dusel oder ein Engel der ihn schützte, eines von beiden war es sicher!

Trambahn Gedenktafel seitlich

Ecke Bayer-/Martin-Greif-Straße in München. Nur wenige Meter entfernt ist das schreckliche Unglück passiert. Im Hintergrund sieht man die Paulskirche mit dem 97 Meter hohen Hauptturm und den beiden Nebentürmen.


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