Perchtentanz | Mia san Bayern - Der Bayern Blog

Perchtentanz in den Rauhnächten | Bad Reichenhall

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Percht
Ein Percht mit Holzmaske und vier Hörnern

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Es gab eine Zeit da dauerte der Winter fast ein halbes Jahr. Man kann sich vorstellen wie entbehrungsreich und sorgenvoll diese Zeit für die damaligen Menschen und Tiere war. Die Sehnsucht nach dem Frühling und einem wiederaufblühen des Lebens war groß. Immer wenn Menschen in einer existenziellen Notlage sind, entstehen Rituale. Diese geben ein Gefühl von Halt und Sicherheit in Situationen in denen man sich sonst gnadenlos ausgeliefert fühlen würde. So wird in den zwölf Nächten nach Heilig Abend, wenn die Zeit gefühlsmäßig still steht, rituell der Winter und die bösen Geister "ausgetrieben". Gerade in der finsteren Zeit glaubte man dass diese schlechten Energien, heimlich und unbemerkt in die Stuben und Stallungen zogen und somit für allerlei Krankeiten und Leid bei Mensch und Tier verantwortlich waren. In vielen Kulturen ist das Räuchern auch heute noch als reinigende Maßnahme verbreitet. So zogen die jungen Bauernburschen mit Räuchergefäßen und Kuhglocken durch den Ort um diesen mit Lärm und Rauch von allem Schlechten zu reinigen. Daher heißen diese zwölf Nächte auch Rauh- oder Rauchnächte. Die Burschen trugen handgemachte Holzmasken mit abschreckender Wirkung. Wer an all die Batman, Spiderman und Green Lantern Filme denkt, der bekommt ein Gespür dafür dass diese Verkleidungen den Helden auch bewusst vor Angriffen auf energetischer Ebene schützen sollen. Der böse Blick, Verfluchungen oder schwarze Magie, so glaubt man auch heute noch in einigen Regionen, finden rein auf energetischer Ebene statt. So schützt die Anonymität den Percht bis das Böse gebannt ist, erst dann kann er seine Maske abnehmen.

Frau Perchta
Frau Perchta mit einer Schere. Sie soll auch einen sehr schlechten
Atem gehabt haben, deshalb wird oft Mehl verstreut
welcher diesen symbolisiert.

Doch woher kommt eigentlich der Name Percht? Perchta ist eine alte germanische Sagengestalt, welche in unseren Märchen auch als Frau Holle vorkommt. Ihr althochdeutscher Name "Beraht" oder "Bereht" bedeute soviel wie die Glänzende. Sie ist eine doppeldeutige Figur, was bedeutet dass sie sowohl die schönen als auch die hässlichen Seiten des Winters verkörpert. So wird sie oft als junge hübsche Frau dargestellt, die ihre Betten ausschüttelt und der Landschaft damit ein wunderschönes, glänzendes Winterkleid verpasst. Wenn sie die harten Seiten des Winters wie Hungersnot, Kälte und Enbehrung verkörpert wird sie oft als alte hagere Frau dargestellt. In dieser Gestalt tritt sie auch auf wenn sie das Menschenvolk prüfen will. So schaute sie des Nachts durch die Fensterscheiben der Leute und lies den Fleißigen ein kleines Silberstück da. Den Faulen schnitt sie mit einer Schere den Bauch auf, füllte diesen mit Steinen und warf sie dann in den Dorfbrunnen! Großzügigkeit wurde ebenso belohnt und Geiz bestraft.

Wer neugierig geworden ist und in den Rauhnächten einem Perchtentanz beiwohnen möchte, der findet im Internet sicherlich einige Veranstaltungen. Zum Brauchtum ist noch wichtig zu sagen, dass es in den letzten Jahren sehr viele Verwechslungen zwischen dem Brauchtum der Perchten und dem des Krampus gegeben hat. Dies führte dazu dass die Perchten und Krampusse oftmals zusammen auftraten. Dies ist aber so nicht richtig. Der Krampus ist auschließlich in der Vorweihnachtszeit unterwegs und tritt nur in Begleitung des Heiligen Nikolaus auf. Die Perchten gehören zur Nachweihnachtszeit und können auch alleine auftreten. Der äußerliche Unterschied liegt in der Anzahl der Hörner. Perchten haben zwischen vier und sechs Hörner auf der Maske, während ein Krampus nur zwei Hörner hat.


Kraxsenmann mit Fackel Waldmandl

Die fleißigen Helfer der Perchten sind der Kraxenmann und das Waldmandl. Sie führen die Perchten an und leuchten ihnen den Weg in der dunklen Nacht aus. Sie haben die Verpflegung für die jungen Bauernburschen dabei, die zur Stärkung auf dem langen Weg von Haus zu Haus und Dorf zu Dorf dient.

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