Auer Dult - Traditioneller Jahrmarkt München

Die Auer Dult - Ein Jahrmarkt mit Altmünchner Flair

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Bunte Silikonschwämme auf einem Haufen
Die lustigen bunten Silikonschwämme

In der Au, einem der schönsten Stadtviertel Münchens findet jährlich die Auer Dult statt. Die Auer Dult ist ein Jahrmarkt mit einem ganz besonderen altertümlichen Charme. Schulter an Schulter drängen sich die kleinen Buden um den Platz an der Mariahilf Kirche. Je nach angebotenem Sortiment, sind sie in unterschiedliche Verkaufsgassen eingeteilt. Die winzigen Gassen mit ihren verlockend klingenden Namen erinnern mich ein klein wenig an das magische Einkaufsviertel aus dem Film Harry Potter! So gibt es z.B. die Schatzsuchergasse, welche zum suchen und finden verborgener Kostbarkeiten einlädt! Oder die Neuheitengasse, für - wie der Name schon sagt - alle möglichen Neuheiten! Ein Produkt, welches mich gleich am Anfang meiner Jahrmarkt-Spritztour in seinen Bann zog, war, man möchte es kaum glauben, ein Küchenschwamm!! Der Standlbesitzer erzählte mir, dass dieser Schwamm auch wirklich eine Neuerfindung ihrerseits ist und somit einzigartig! Das Spezielle ist, dass er aus hitzebeständigem Silikon besteht! Silikon ist absolut hygienisch und somit kein Freizeitpark für Bakterien und Viren, wie die meisten Supermarktschwämme. Allein diesen weichen Silikonschwamm in der Hand zu halten, fühlt sich auf eigenartige Weise unheimlich gut an! Mit diesem Handschmeichler ist die Hausfrau beim Abwasch in Zukunft sicherlich tiefenentspannt! Ich war so begeistert von diesem neumodischen Ding, dass ich es sogar als Massageschwamm bei meinem Hund getestet habe! Ja man kann das Teil auch waschen, bei bis zu 300°C! Uiiiii hat der ein Gesicht gemacht, wie wenn er gerade ins Hunde-Schlaraffenland gebeamt wurde! Also sehr vielseitig einsetzbar! Zur Schleichwerbung gehts hier entlang: www.harecker.de.

Alte Postkarten
Alte Postkarten

Nach der Neuheitengasse ging's in die Antiquitäten- oder Raritätengasse, so genau weiß ich es nicht mehr. Hier sind mir sofort ein paar Kisten mit alten beschriebenen Postkarten aufgefallen. Wow war das ein Gefühl beim wühlen und lesen! Wie wenn man heimlich in den Wohnzimmern fremder Leute stöbern würde! Viele Postkarten zeichneten ein Bild aus einer anderen Zeit. So fand ich die förmliche Anrede „Lieber Beamtenvater“ eines Sohnes an den Vater sehr lustig. Auch die Beschwerde einer Tochter an die Eltern, dass die Konzertkarten unverschämt teuer wären und 7 DM kosten würden, war eine nette Karte! Eine Postkarte hat mir dann wahrlich die Kinnlade herunterfallen lassen! Es war eine Karte aus dem Jahre 1943 mit einer Hitlerbriefmarke! Ich war dermaßen überrascht eine so alte Postkarte zu finden, dass ich sie gleich dem Standbesitzer, einem netten älteren Herren, zeigen musste! Ahhh der Gröfaz rief er aus! An meiner fehlenden Reaktion muss er wohl erkannt haben, dass ich nicht die leiseste Ahnung hatte von wem er redete!! Er erklärte mir sodann, dass Hitler damals im Volksmund so genannt wurde!

Postkarte mit Hitlerbriefmarke
Postkarte aus dem Jahr 1943

Dies war die spöttische Kurzform für „Größter Feldherr aller Zeiten“ für den Hitler sich in seinem Größenwahn hielt! Natürlich wurde dieser Begriff nur im absolut geschützten Rahmen unter vorgehaltener Hand verwendet. Hätte man das öffentlich gesagt, wäre man sofort hingerichtet worden! Als ich so über dieses Wort nachdachte, kam die wage Erinnerung zurück, dass ich glaube, dieses Wort auch schon mal in der gleichen abschätzigen Weise aus dem Munde meines Opas gehört zu haben! Wow was für eine alte Anekdote! Ich bereue es sehr, dass ich meinen Opa nicht mehr über diese schweren Jahre ausgefragt habe. Heutzutage kann sich der junge Mensch ja kaum mehr vorstellen, was für ein triefendschwarzer Schatten damals über Deutschland lag! Er kennt ja nur das moderne Vorzeige-Deutschland! Angeregt durch diese Erzählung versuchte ich noch ein bisschen mehr von dem Standbesitzer zu erfahren, welcher vielleicht nur ein Tortenstück jünger zu sein schien, wie mein Opa!


Er erzählte mir dann noch von einem Witz, der damals die Runde machte: „Wie sieht ein Arier aus? Blond wie Hitler, groß wie Goebbels und schlank wie Göring!". Hitler war schwarzhaarig, Goebbels 165cm klein und Göring fett! Diese Art Galgenhumor zeigt mir, dass nicht jeder damalige Bürger antisemitisches Gedankengut in sich trug!

Kleine Buden auf der Auer Dult in München
Auer Dult in München

Während ich noch immer tief in meiner Zeitreise steckte, holte mich auf einmal ein Rumpeln und Bumpern langsam in die heutige Welt zurück. Es war mittlerweile kurz vor 20:00 Uhr und die Standbesitzer fingen an ihre Läden zu schließen! Ach wie schade, ich hätte noch Stunden hier verbringen können! Also lief ich im Dauerschritt noch einmal über die Dult! Sah nach links, sah nach rechts, entdeckte noch ein paar schöne Antiquitäten und maschierte dann, durch ein paar nette Erfahrungen bereichert, zu meinem Auto! Es ist schwer die Auer Dult in Worte zu fassen, aber dieser Jahrmarkt, welcher seinen Ursprung im Mittelalter hat, hat wirklich ein ganz spezielles Charisma! Seit meinem Besuch bin ich ein großer Dult Fan geworden und werde sicherlich öfters kommen! Die Auer Dult findet jährlich dreimal statt und heißt, je nach dem zu welcher Jahreszeit sie ist, unterschiedlich. Die Maidult im Frühling, die Jakobi Dult im Sommer und die Kirchweih Dult im Herbst!

Die Adresse der Auer Dult ist: Mariahilfplatz in 81541 München. Parkmöglichkeiten sind sehr schwierig, ich selbst habe nur ein ganzes Stück entfernt einen bekommen. Die nächst gelegenen U-Bahn Stationen sind Frauenhoferstraße und Kolumbusplatz, von da sind es dann noch 10 Minuten Fußmarsch... wer also einen Großeinkauf plant, sollte vielleicht lieber unter der Woche vormittags kommen, da sind die Chancen höher in der Nähe einen Parkplatz zu finden! Verkaufsbeginn ist ab 10:00 Uhr.


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