Eibenwald in Paterzell

Naturkundliche Führung durch den Eibenwald bei Paterzell

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Wegweiser mit Aufschrift Eibenpfad

Als mir meine Mutter letztens eine Email schrieb, dass sie und ihr Lebensgefährte an einer Eibenwald-Führung teilnehmen, horchte ich natürlich sofort auf! Eiben haben mich schon immer fasziniert! Und ich hatte ja keine Ahnung, dass es in Bayern sogar einen ganzen Wald davon geben soll! Denn sie sind sehr selten! Die Eibe führt ein schweres Dasein, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Denn alles an ihr, bis auf das rote Fruchtfleisch, ist hochgiftig! Das lässt schon gerne kurz zurückschrecken! Bei unseren keltischen Vorfahren war die Eibe ein heiliger Baum. Sie galt unter anderem als Baum des Todes, jedoch ohne negativen Kontext! Das Denken der Kelten war nicht von linearer Logik geprägt, sondern sie dachten in Zyklen. Somit war der physische Tod auch kein Schlussstrich, sondern eine Weiterführung des Lebens, auf einer anderen Existenzebene. Hier spielt der mystische Aspekt der Eibe eine zentrale Rolle. Die Kelten lebten in anderen Rhythmen. So steht die Eibe im keltischen Jahreskreis, vor der tiefsten Nacht des Jahres - der Wintersonnwende, für den Tod des Lichts. Themen wie "Woher komme ich und wohin gehe ich?" drängen sich zwingend auf. Und gerade diese düster anmutende Ausstrahlung finde ich an der Eibe so spannend! Sie ist sozusagen der Grufti unter den Bäumen! Die Kelten glaubten, dass sie das Tor ins jenseitige Reich, der Anderswelt, öffnen kann. Tja wie habe ich noch nicht so recht herausgefunden, ich denke an ihr zu knabbern wäre die falsche Lösung! Natürlich gilt das auch für eure Hunde oder Pferde! Gerade Pferde reagieren extrem empfindlich auf das Eibengift! Das ist auch der Grund warum sie in Deutschland so ausgerottet wurden. Bevor es das Auto gab war das Pferd das Transportmittel und dieses musste man halt irgendwo anbinden, wenn man kurz eine Pause machte. Da kam es dann schon mal vor, dass ein Eibenbaum nicht erkannt oder gesehen wurde und das Pferd davon fraß. So traurig das auch ist, aber das war´s dann! Das Eibengift Taxol ist ein krampfendes Gift und es wirkt sehr schnell, da hilft auch kein Übergeben mehr. Laut unserer Naturkundlerin gibt es im Nationalpark Bayerischer Wald nur eine einzige Eibe! Da sieht man welche Angst die Leute vor diesem Baum hatten! Aber keine Angst, ein erwachsener Mensch müsste schon ein kleines Bündel Zweige essen um davon zu sterben. Und wer macht das schon? Außer vielleicht die böse Schwiegermutter aus Schneewittchen? Das wäre doch mal eine Abwechslung, anstelle eines vergifteten Apfels ein grüner Smoothie aus Eibennadeln!

Staubbeutel der männlichen Eibe
Staubbeutel der männlichen Eibe

So langsam kommt die Eibe wieder zurück. Heute früh sind mir beim Gassigehen erfreulicherweise vier kleine Eibenbäumchen aufgefallen. Leider handelte es sich bei diesen um männliche Eiben. Ja bei Eiben gibt es männliche und weibliche Bäume. Nur die weiblichen Bäume tragen im Herbst die Frucht welche als einzige essbar ist. Schade ich hatte mich schon auf ein kleines Eiben Dessert gefreut. Ach ja ich möchte hier nochmals ausdrücklich erwähnen, dass natürlich auch der schwarze Same, welcher in dem roten Fruchtfleisch steckt, giftig ist! Also wirklich nur den Fruchtmantel essen! Die männlichen Bäume erkennt man an den kleinen Staubgefäßen an der Unterseite der Zweige! Wenn ihr selbst mal nach Eibenbäumen Ausschau haltet, kann es sein dass ihr sie am Anfang einfach überseht! So ist es mir ergangen, denn der Eibenbaum wächst extrem langsam und sieht viele Jahrzehnte eher wie ein gewöhnlicher Busch aus. Um den gleichen Durchmesser wie z.B. eine 40 Jahre alte Linde zu erreichen, benötigt die Eibe gut 200 Jahre mehr!

Junge Eibe bei uns im Dorf Der Durchmesser einer ca. 240 Jahre alten Eibe
Eine junge Eibe aus unserem Dorf. Daneben der Stamm einer ca. 240 Jahre alten Eibe.

Alte zerstörte Eibe
Die älteste Eibe von Paterzell, Opfer von Brandstiftung!

Wenn ich diese uralten Eibenbäume ansehe, welche mehrere Hundert Jahre alt sind, kommt es mir vor, wie wenn die Zeit still stehen würde. Was haben diese Bäume schon alles erlebt? Was haben sie gesehen? Allein der Gedanke, dass ein Baum über 4000 Jahre alt werden kann und immer an der gleichen Stelle steht, während sich alles um ihn herum wandelt, lässt mir einen Schauer den Rücken hinunter laufen. Die mit Abstand älteste Eibe des Eibenwaldes wurde leider durch Brandstiftung komplett zerstört. Da blutet einem das Herz wenn man so etwas sieht! Wie kann man so ein altes Wesen einfach so zerstören? Wie kann man seine Mitmenschen so eines Naturschatzes berauben?? Da bleibt nur noch ungläubiges Kopfschütteln! Die Eibe ist normalerweise extrem robust. Man kann sie schneiden wie man will, selbst absägen und sie treibt immer wieder aus. Sie braucht sehr wenig Licht und wächst deshalb oft auch dicht gedrängt, Stamm an Stamm, unter anderen Bäumen. Ein wahrlich beeindruckender Baum!!

Umgefallene Eibe Stamm an Stamm Eibe und Buche
Eine umgefallene Eibe welche wieder austreibt. Und eine Eibe auf Kuschelkurs mit einer Buche.

Eibe

Rundwanderung durch den Eibenwald

Ausgangspunkt der ca. 45 min. Wanderung ist der Landgasthof Zum Eibenwald im Ortsteil Paterzell. Adresse: Peißenberger Straße 11, 82405 Wessobrunn. Der Weg ist gut ausgeschildert, ihr braucht keine Angst haben, dass ihr aus Versehen in der Anderswelt landet! :-) Hinter dem Gasthof gibt es einen Holzkasten mit einer Infobroschüre über den Eibenpfad. Wer sich für weitere naturkundliche Führungen und Wanderungen interessiert, der findet auf www.munaris.de das Programm der Naturkundlerin, mit welcher ich die Eibenwaldführung gemacht habe.




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